Netzwerk Kulinarik

    AMA - Marketing

    Harald Pollak im Interview

    Regionalität in der Gastronomie


    © Niederösterreich Werbung/Rita Newman

    Gemeinsam mit Ihrer Frau führen Sie seit vielen Jahren erfolgreich den Retzbacherhof. Schwierige Zeiten erfordern neue Ansätze. Sie haben sich – wie viele andere – entschieden, Ihre Speisen zu liefern. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
    Seit fast 16 Jahren führen meine Frau und ich mit unseren Mitarbeitern den Retzbacherhof. Schon damals waren regionale Lieferanten für uns sehr wichtig. Zu dieser Zeit wurden wir von vielen Menschen und Gästen aus der Region für unser Konzept durchaus belächelt. Heute ist dies kein Thema mehr, Lebensmittel und Lieferanten aus der Gegend sind sehr wichtig.
    Auch wir wurden in den letzten Wochen sehr gefordert und haben unseren Gästen die Speisen unserer Karte zum Abholen angeboten, in der ersten Woche wurde auch ausgeliefert. Wir Wirte sind in diesen Krisenzeiten zu noch mehr Kreativität gefordert. Der Vorteil ist, dass wir durch unsere Flexibilität in der Betriebsstruktur sehr schnell auf die Bedürfnisse unserer Gäste reagieren können. Die Auslastung war wirklich gut – viele unserer Stammgäste haben den Abholservice sehr wertgeschätzt und uns dadurch stark unterstützt. Das Qualitätsbewusstsein ist bei den Gästen auf große Wertschätzung gestoßen. Wir dürfen uns bedanken und hoffen natürlich, dass dieses Vertrauen weiter wächst.


    © Niederösterreich Werbung/Michael Reidinger

    Ab dem 15. Mai sperren viele Gastronomiebetriebe wieder auf. Wie kann das Netzwerk Kulinarik in dieser Zeit unterstützen?
    Die Wirtshäuser im ländlichen Raum sind seit vielen Jahrzehnten eine der großen Säulen in diesen Strukturen. Sie sind regionaler Arbeitgeber. Kleine Produzenten finden hier den perfekten Partner, um ihre Lebensmittel zu vermarkten. Der Wirt ist Werber für diese Lebensmittel, da die Gäste mehr und mehr nach der Herkunft der Lebensmittel fragen. Es gibt nichts Besseres, als mit dieser Mundpropaganda auf die herrlichen Produkte und Lebensmittel des Landes aufmerksam zu machen. Ich glaube, dass dies der Landwirtschaft teilweise noch nicht ganz bewusst ist, was wir Wirte da bewegen könnten. Eine noch intensivere Zusammenarbeit wäre sehr wünschenswert. Das Netzwerk kann dies noch mehr an unsere Gäste und an die Gesellschaft kommunizieren. Wir Wirte sind ein wichtiger Teil der regionalen Struktur. Entwicklung im ländlichen Raum kann ohne unsere Wirte nicht stattfinden.


    © Niederösterreich Werbung/Michael Reidinger

    Sie sind einer der ersten Betriebe, die in unser Qualitäts- und Herkunftssicherungssystem eingestiegen sind. Welchen Nutzen sehen Sie für Konsumenten und Gäste?
    Als vor vielen Jahren das AMA-Gastrosiegel ins Leben gerufen wurde, hatte ich die Lizenznummer 11!
    Seit damals halte ich viel auf die Vielfalt und die Lebensmittel aus den Regionen. Es wurde einmal gesagt: Harald Pollak – der Regionalpatriot. Das hat mich sehr gefreut und hat mich auch mit Stolz erfüllt, dass ich in einem Land leben darf, das mir als Koch und Wirt die Möglichkeit gibt, mit diesen Produkten arbeiten zu dürfen! Es darf nicht respektlos und zur Selbstverständlichkeit werden, wie sorglos teilweise mit den Lebensmitteln umgegangen wird. Umso mehr interessiert es in den letzten Jahren unsere Gäste, womit wir arbeiten – dies schafft Vertrauen und Beruhigung zwischen Gast und Wirt. Dieser Zusammenhalt muss noch mehr gestärkt werden und gehört weiterhin vorangetrieben.


    © Niederösterreich Werbung/Michael Reidinger

    Harald Pollak ist ein langjähriger AMA-Gastrosiegel-Betrieb, NÖ Wirtshauskultur Wirt und einer der ersten, die am neuen Qualitäts- und Herkunftssicherungssystem des Netzwerks Kulinarik teilnehmen. Außerdem ist Harald Pollak Mitglied des Netzwerk Kulinarik Beirates.

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