Netzwerk Kulinarik

    AMA - Marketing

    Markus Hillebrand im Interview

    GenussBauernhof


    © GenussBauernhof Hillebrand

    Am Genussbauernhof Hillebrand produzieren Sie gemeinsam mit Ihrer Familie frisches Gemüse – vom Grazer Krauthäuptel über Zucchini und Melanzani bis zu Paprika und Paradeisern. Um Ihren Konsumenten den Einkauf in der derzeitigen Situation zu erleichtern, haben Sie eine kontaktlose Abholstelle für Ihre Produkte eingerichtet. Wie funktioniert dieses Abholservice und welches Feedback bekommen Sie?
    Am Freitag, den 13. März 2020 wurde unser GenussBauernhof gestürmt. Da wurde uns bewusst, dass wir uns sofort eine Alternative zum „normalen“ Einkauf in unserem Laden einfallen lassen müssen. Dass die Krise länger anhalten wird und viele neue Herausforderungen auf uns zukommen werden, war uns von da an klar. Die Versorgung und deren Sicherheit von und mit regionalen, saisonalen hochwertigen Lebensmitteln ist plötzlich in den Fokus gerückt.
    Wir haben uns zum Ziel gesetzt, nicht nur hochwertige Gemüsespezialitäten im saisonalen Kreislauf naturnah in großer Auswahl (rund 40 Sorten) zu produzieren, sondern vor allem auch als Bewusstseinsbildner für unseren Berufsstand aufzutreten. Uns war klar, dass wir jetzt einen völlig neuen Weg des Service, der Beratung und Information gehen müssen und wollen.
    Wir haben eine 24-Stunden-Abholstation zusätzlich zum normalen Verkauf am Hof eingeführt. Unsere neue Abholstation haben wir über die sozialen Netzwerke und über unseren direkten Kontakt mit den Kunden kommuniziert. Die Konsumenten haben unser Angebot sofort angenommen. Konkret können Konsumenten aus unserem gesamten Sortiment wählen – also aus über 1.200 regionalen, saisonalen Spezialitäten von mehr als 70 Bauern aus der Region – und sich ein individuelles Paket zusammenstellen lassen. Sobald das Paket zusammengestellt ist, erhält der Kunde eine SMS mit dem Rechnungsbetrag und kann sich die Ware im hofeigenen Kühlhaus kontaktlos abholen. Für den Rechnungsbetrag steht eine Box zum Einwerfen bereit.
    Unser Ziel war, den Risikogruppen eine kontaktlose Möglichkeit für ihren Einkauf zu bieten. Mittlerweile nützen nicht nur die Risikogruppen unsere Abholstation, sondern alle Altersschichten. Es war uns wichtig, zu zeigen, dass wir nicht nur in guten Zeiten rund um die Uhr für unsere Kunden da sind, sondern auch in Krisenzeiten. Unsere Verantwortung als regionaler Versorger ist uns bewusst. Gemeinsam mit unseren Betrieben schaffen wir es, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Viele positive Rückmeldungen, Dankesschreiben und persönliche Worte bestätigen uns in unserem Weg, Frische, Qualität und der persönlichen Beratung und Betreuung den Vorrang zu geben.


    © GenussBauernhof Hillebrand

    Für Direktvermarkter ist der persönliche Kontakt zu den Konsumenten besonders wichtig. Wie halten Sie Ihre Kunden in der jetzigen Situation auf dem Laufenden?
    Der persönliche Kontakt ist uns extrem wichtig. Dies ist auf unserem Hof trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen möglich, da der Kunde immer im Mittelpunkt steht. Ein extrem wichtiges Instrument ist unser Facebook-Profil. Dort informiere ich die Kunden und Freunde seit Jahren fast täglich über die Aktivitäten am Hof. So entsteht eine persönliche Bindung zu uns, unserem Betrieb und unseren Aktivitäten, Projekten und Veranstaltungen. Zusätzlich veröffentliche ich seit mittlerweile 21 Tagen auf unserer Facebook-Seite eine Art Tagebuch über meinen Tagesablauf am Bauernhof. Ich möchte mit dem Erlebnis-Bauernhof Emotionen wecken, Mensch, Produkt und Region in den Mittelpunkt stellen und die Geschichten dazu erzählen. Ich bekomme extrem positive und motivierende Rückmeldungen. Die Menschen wollen wissen, woher die Lebensmittel stammen, wie diese produziert werden und wer hinter der Produktion steht. Sie wollen sich mit uns identifizieren. Man kann sich in keiner Sparte, in keinem Beruf auf erreichten Erfolgen, Auszeichnungen und Prämierungen ausruhen. Jeder Tag ist ein Erlebnis und ein Tag, an dem man Gutes tun kann. Tun wir Gutes und reden wir darüber. Kommunizieren wir es viel deutlicher. Das ist das, was wir am GenussBauernhof Hillebrand tagtäglich versuchen und leben.

    Regionale Produkte sind gefragter denn je. Die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette wird immer wichtiger. Welche Bedeutung hat das Netzwerk Kulinarik in diesem Zusammenhang für Sie und was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
    Ich bin seit meiner Landjugend-Zeit in vielen verschiedenen Ämtern auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sehr aktiv. Ich bin ein Mensch, der viele Ideen, Visionen und Projekte hat und diese immer versucht gemeinsam mit einem Team umzusetzen. Es braucht Praktiker, die tagtäglich in ihrem Beruf tätig sind und diese Erfahrungen und dieses Wissen einbringen und weitergeben. In diesen vielen Jahren hat sich eines für mich immer wieder herauskristallisiert: Es wird immer wieder jemanden brauchen, der Visionen und Ideen hat und vorausgeht und es wird immer wieder ein starkes Team gebraucht werden, um gemeinsam erfolgreich sein zu können.
    In Zeiten wie diesen ist eine enge Kooperation, ein gemeinsames Netzwerk wichtiger denn je. Trotz des derzeitigen Versorgungsbooms müssen wir auch an die Zeit danach denken. Dann wäre es extrem wichtig, geschlossen und geeint aufzutreten, Probleme und Erschwernisse der letzten Jahre gemeinsam deutlich aufzuzeigen, um einen Nachfrageboom nach heimischen, hochwertigen, kontrollierten Lebensmitteln auszulösen.
    Mir ist bewusst, dass in vielen Bundesländern über Jahre hinweg tolle und erfolgreiche Initiativen und Plattformen entstanden sind, tolle Persönlichkeiten diese führen und aufgebaut haben. Aber erfolgreich können wir nur gemeinsam sein. Es ist an der Zeit, über den persönlichen Schatten zu springen, über den Tellerrand zu schauen, Neues zuzulassen, dieses gemeinsam zu entwickeln und zu formen und dadurch den direkten Kontakt zur Regierung, zum Tourismus, zur Gastronomie und zu vielen anderen Netzwerken zu haben. Für mich sind wir alle gemeinsam das „Netzwerk Kulinarik“. Arbeiten wir gemeinsam daran, formen wir es, identifizieren wir uns damit. Nur dann werden wir erfolgreich sein.


    © GenussBauernhof Hillebrand

    Markus Hillebrand führt den GenussBauernhof in Premstätten und engagiert sich als Vorstandsmitglied im Cluster des Netzwerks Kulinarik.

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