Themenkreise und Zusammenfassung

der Erkenntnisse zur Nachhaltigkeitberichterstattung

  • Nachhaltigkeits-Regularien und Betroffenheit

    • die EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Treibhausgasbilanzierung die relevanteste rechtliche Grundlage 
    • sehr große Unternehmen sind direkt betroffen, Nachhaltigkeitsberichte zu verfassen
    • Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten müssen berücksichtigt werden. Diese Scope 3-Emissionen vor allem aus der landwirtschaftlichen Produktion machen im Lebensmittelbereich ca. 90% des CO2e-Fußabdruckes aus
    • die Anforderung der Datenbereitstellung zur Treibhausgasbilanzierung bleibt daher auch ohne direkte Betroffenheit zur Berichtslegung auf Verarbeitungs- und Landwirtschaftsebene bestehen
    • Treiber der Nachhaltigkeit sind nicht nur gesetzliche Anforderungen, sondern auch Anforderungen von Kunden sowie von Banken bei Kreditvergaben oder Versicherungsinstitutionen

  • Nachhaltigkeits-Standards und Initiativen

    • Die Standards ESRS (European Sustainability Reporting Standards) und VSME (Voluntary Sustainability haben im Zusammenhang mit der CSRD die größte Bedeutung. 
    • Die freiwillige Initiative SBTi (Science Based Targets initiative) stellt Methoden und Werkzeuge zur Berechnung von auf wissenschaftlich basierenden Zielen sowie eine Plattform zur Kommunikation zur Verfügung. Diese ermöglicht es Unternehmen THG-Emissionsreduktionsziele festzulegen, die notwendig sind, um die globale Erwärmung unter 1,5°C zu halten.

  • Grundlagen zur Treibhausgas-Berechnung

    • Die Methoden und wesentlichen Annahmen für die Berechnungen müssen offengelegt werden, einschließlich eines Verweises oder Links, falls zutreffend, sowie allfällige Einschränkungen der verwendeten Methoden.
    • Die Nachvollziehbarkeit der Berechnungen muss gewährleistet sein: Neben dem Emissionsfaktor-Wert sollten auch die Bezeichnung des Emissionsfaktors und die Region angegeben werden.
    • Hochrechnungen auf Basis einer Stichprobe repräsentativer landwirtschaftlicher Betriebe versus Einzelbetriebsberechnungen
      • Aktuell werden Annahmen (Werte aus der Literatur) und Hochrechnungen etc. jedenfalls nötig sein was auch den ESRS Anforderungen entspricht. In Zukunft wird es vor allem bei größeren Betrieben oder jenen welche als Lieferanten bedeutend sind, Echtdaten benötigen. 
      • Angemessene Anstrengungen: Unternehmen müssen zunächst versuchen, die benötigten Informationen direkt von Akteuren in der Wertschöpfungskette zu erhalten. Wenn dadurch unangemessene Kosten oder Aufwand entstehen, darf auf Schätzungen zurückgegriffen werden (Daten aus indirekten Quellen, Sektordurchschnittswerte, Stichprobenanalysen etc.) - siehe ESRS 1 Anlage A. Schätzung anhand von Sektordurchschnittswerten und Näherungswerten Punkt AR 17. Was angemessen bedeutet, wird bei jedem Unternehmen von den Wirtschaftsprüfungsinstituten individuell beurteilt und bewertet werden.
      • Wenn Reduktionsziele verfolgt werden (z.B. bei SBTi) braucht es eine Betrachtung in entsprechender Tiefe, da die Auswirkungen einzelbetrieblicher Reduktionsmaßnahmen mit Hochrechnungen bzw. Standardkoeffizienten nicht aufgezeigt und überwacht werden können.

  • Treibhausgas-Hebelwirkungen

    • Sowohl im tierischen als auch im pflanzlichen Bereich hat das Düngermanagement einen mittleren Einfluss auf die CO2e-Emissionen
    • Ansonsten unterscheiden sich der tierische und pflanzliche Bereich stärker
      • Tierisch: Futtermittel sind ein großer Hebel und im Rinderbereich entstehen Emissionen auch durch enterogene Fermentation
      • Pflanzlich: Energieverbrauch (für Fahrzeuge und Maschinen bzw. für Gebäude) hat einen hohen Einfluss

  • Interviews mit AMA-Lizenznehmern

    Im Zeitraum zwischen Februar und April 2025 wurden 22 Lebensmittelunternehmen aus sechs verschiedenen Produktionsbereichen befragt. 

    • Acht der 22 Lizenznehmer gaben in der Zeit an, zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet zu sein und 19 haben Anfragen von Kunden zu Nachhaltigkeitsdaten erhalten
    • Den Lebensmittelunternehmen würde mehr Klarheit, Vernetzung und Branchenlösungen sowie praxisorientierte Informationen, gesteigertes Bewusstsein und eine aktivere Rolle der Landwirtschaft beim Thema Nachhaltigkeit helfen.

  • Analyse THG Berechnungs-Tools

    Die analysierten Tools wurden aufgrund deren Relevanz in Österreich ausgewählt und erfüllen die Anforderungen gemäß CSRD und ESRS im Kapitel E1 Klimawandel. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch spezifische Alleinstellungsmerkmale.

    • CO2 AgrarCommander Tool der AgrarCommander GesmbH ist auf den pflanzlichen Bereich spezialisiert und baut auf den Aufzeichnungen im elektronischen Betriebsheft AgrarCommander auf. Dadurch ist kein Zusatzaufwand für die Landwirte mehr notwendig.
    • NEU.rind von Rinderzucht Austria fokussiert auf die Milchkühe (inkl. Altkühe) und sticht hervor durch die sehr starke Vernetzung mit bestehenden Primärdatenquellen und der hohen Granularität von durchschnittlich 450 berücksichtigten Datenpunkten
    • Root Global Klimaplattform von Root Global GmbH ist derzeit in den Bereichen Milchkühe (inkl. Altkühe), Schweine und Ackerfrüchte anwendbar und entwickelt sich rasch weiter. Das Tool ist sehr benutzerfreundlich aufgebaut und eine Eingabe dauert durchschnittlich weniger als 30 Minuten. In ganz Europa ist es bereits bei mehr als 20.000 Milchviehbetrieben im Einsatz
    • SustellTM the LCA platform tool von dsm-firmenich bietet die Bilanzierungen nicht nur auf allen wichtigen landwirtschaftlichen tierischen Produktionszweigen (Milchkühe, Mastrinder, Schweine, Geflügelhaltung und Aquakultur) an, sondern auch für Futtermittelfirmen und Verarbeitungsunternehmen, wie Schlachtbetrieben an. Die Dienstleistungen werden international auch über Europas Grenzen hinweg z.B. in Brasilien, Thailand und USA erbracht.
    • World-Climate Farm Tool von Carbon Standards International AG ist ein umfassendes Berechnungstool über praktisch alle tierischen und pflanzlichen Produktionsbereiche hinweg. Neben produktbezogenen Emissionen wird auch eine gesamtbetriebliche Klimabilanz errechnet und es wird ein Label für die Zertifizierung angeboten.

  • Analyse AMA-Gütesiegel-Richtlinien

    • Die Einhaltung der AMA-Gütesiegel-Richtlinien unterstützt, qualitative ESRS (Klima-)Anforderungen zu erfüllen.
    • Einige AMA-Gütesiegel-Kriterien führen zu einer Reduktion der CO2e-Emissionen, auch wenn diese nicht quantitativ beziffert werden können.
      • In den tierischen AMA-Gütesiegel-Richtlinien ist der Einsatz entwaldungsfreier Futtermittel vorgeschrieben und je Tierkategorie spezifische Fütterungspraktiken. 
      • Im pflanzlichen Bereich ist bei Ackerfrüchten gefordert, dass die GLÖZ-Kriterien eingehalten werden wie die Erhaltung von Dauergrünlandflächen und der Schutz von Feuchtgebieten und Torfflächen. Bei Obst, Gemüse und Speiseerdäpfel muss verpflichtend der Energieverbrauch am Betrieb dokumentiert werden um gezielt Maßnahmen für eine gesteigerte Energieeffizienz vornehmen zu können.
    • Die Umsetzung der Kriterien wird von externen Kontrollstellen überprüft.

  • Umsetzungsmöglichkeiten AMA-Qualitätsprogramme

    Bei den nächsten Umsetzungsschritten ist zentral, dass Maßnahmen umgesetzt werden, die von den TeilnehmerInnen benötigt werden, die sinnvoll sind, die in der Kernkompetenz der AMA-Marketing liegen und die vom Aufwand her bewältigbar sind. Kurzfristig werden drei Schwerpunktbereiche mit Fokus auf das Kapitel E1 Klimawandel der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ausgelotet:

    • Informationsvermittlung 
      Webinare, Erkenntnisse auf Homepage veröffentlichen
    • Machbarkeitsprüfung einer AMA-Klimaplattform als Branchenlösung
      Anlehnung an die QS-Klimaplattform in Deutschland, wo diese im Schweinebereich als Branchenlösung etabliert werden soll und auch weitere Tierkategorien folgen werden. 
    • Richtlinien-(weiter)-Entwicklung
      Auf Basis von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen soll mit den Branchen an wirksamen und machbaren Treibhausgas-reduzierenden Maßnahmen im Rahmen der AMA-Gütesiegel-Richtlinien gearbeitet werden.

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Orientierung und Umsetzungsoptionen im Rahmen der AMA-Qualitätsprogramme

Weiterführende Informationen und Details finden Sie in diesem Bericht.


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Ansprechperson

DI Gregor Walcher-Eichinger

DI Gregor Walcher-Eichinger

Qualitätsmanagement

Bereich: Nachhaltigkeit

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